RLP: Der Hygieneplan-Corona der Schulen – ein Abschied von menschlicher Pädagogik und Vernunft

Von | August 16, 2020

Ein Kommentar von V.L. aus Rheinland-Pfalz

Die aktuellen Hygienepläne der Schulen für das Schuljahr 2020/2021 werden nach und nach veröffentlicht und sollten bei jedem Elternteil, jedem Schüler und jedem engagierten Pädagogen Fassungslosigkeit, Entsetzen, Wut und Traurigkeit auslösen. Sie sind das Ergebnis kleingeistiger, theoriegetriebener Bürokratie und entbehren jeglicher wissenschaftlicher Evidenz, indem sie den Kindern suggerieren, dass Schule ein höchst gefährlicher Ort ist, wo die Kontamination an jeder Ecke lauert und die Gesundheit aller auf dem Spiel steht.[1A, 1B] Gleichzeitig sind sie eine Absage an schülerzentriertes Arbeiten, offene Lernformen und kreatives Schaffen.

Als Beispiel seien hier die Hygienepläne von Rheinland-Pfalz[2] und zufällig ausgewählten Schulen des Bundeslandes genannt. Noch müssen die Schüler und Schülerinnen hier im Unterricht keine Masken tragen, anders als in Nordrhein-Westfalen, wo ihnen diese unmenschliche Tortur zugemutet wird. Dennoch herrscht Maskenpflicht im Schulgebäude und im Pausenhof, obwohl die Kinder und Jugendlichen im Klassenraum ohne Abstand sitzen dürfen. Streng genommen sollen die Masken auch beim Gang zum Papierkorb oder zur Tafel getragen werden. Die Alltagsmaske hat sich in einen Heilsbringer verwandelt, der alle Krankheiten abwenden soll, auch wenn es sich ja meist nur um ein dünnes Stück Stoff handelt, dessen Poren keinen Virus aufhalten können. Es ist scheinbar zu vernachlässigen, dass der sachgerechte Umgang mit Gesichtsmasken in Schule und Freizeit niemals gewährleistet werden kann[3] und diese auf lange Sicht eher Schaden als Nutzen bringen.[4A 4B]

Damit nicht genug: Bei lauten Ausspracheübungen im Fremdsprachenunterricht wird ebenfalls ein Mund-Nase-Schutz empfohlen. Keinem Sprachenlehrer wird sich die Sinnhaftigkeit dieser Empfehlung erschließen, geht es doch bei diesen Übungen ganz besonders um korrekte Artikulation und den sichtbaren Einsatz der Sprechorgane. Die furchtbare, obwohl unbegründete Angst vor den unheilvollen Aerosolen[5] führt vielerorts zu einem Gesangs- und Chorverbot. Auch manche Orchester gehören der Vergangenheit an. Kreatives Arbeiten ist an vielen Schulen eingeschränkt. Im Kunstunterricht sind nur noch Projekte zulässig, bei denen der Abstand gewahrt werden kann. Experimente in den Naturwissenschaften sind häufig verboten, AGs werden abgesagt. Sport kann nur draußen erfolgen. Dass Sportvereine inzwischen auch in Hallen mit 30 Mitgliedern sogar Kontaktsportarten ausüben dürfen, scheint nicht zu interessieren. Grundschüler sollen nicht mehr rennen, fangen spielen oder Ballsportarten ausüben. Beim gemeinsamen Pausenspiel ist stets der Abstand einzuhalten, mache Spielgeräte sind abgesperrt.

Die Unterrichtsform ist frontal, keine oder kaum Gruppen- oder Partnerarbeit ist möglich. Völlig unkritisch wird also ein Rückschritt in eine veraltete Unterrichtsform gefordert, die über die letzten Jahrzehnte mühsam reformiert wurde und allen Erkenntnissen von erfolgreichem Lernen widerspricht.

Generell scheint es keine Erkrankung außer Covid-19 mehr zu geben. Die Lehrpersonen werden durchaus in die Pflicht genommen, anhand verdächtiger Symptome eine Art Ferndiagnose zu stellen, wenn ein Kind sich unwohl fühlt, und es dann zu „isolieren“[Hygiene-Plan RLP S. 3].

Dazu können dann auch gerne „Bauchschmerzen/Übelkeit“ und „allgemeine Schmerzen“ gezählt werden. Wer schon länger unterrichtet, weiß, wie häufig diese Arten von Unwohlsein bei Schülern auftreten! Wie schön, dass bei „leichtem Schnupfen“ und Husten kein „Ausschluss von der Betreuung“ erforderlich ist!

Da in den Schulen offensichtlich weiterhin von einem hoch ansteckenden, potentiell tödlichen Virus ausgegangen wird, sind natürlich auch Umarmungen, Händeschütteln und Körpernähe strengstens untersagt. Eine Pervertierung menschlicher Gemeinschaft, die Distanz statt Nähe einfordert, wird somit vollzogen. Von Schülerseite habe ich schon mehrmals gehört, dass sie sich an ein Gefängnis erinnert fühlen, und dem kann ich nur zustimmen.

Mir selbst versetzt es jedes Mal einen Stich, wenn ich die maskierten Gesichter der Schüler sehe, und wenn ich an meine eigenen Kinder denke, die dies momentan durchstehen müssen. Es erfüllt mich mit Wut, dass wir als Lehrer Erfüllungsgehilfen dieses unmenschlichen Systems sind, das individuelle Freiheiten so grundlos beschneidet und den einzelnen dermaßen drangsaliert. Es kommt jedoch nicht für mich in Frage, mich krank zu melden und mich meiner Verantwortung zu entziehen, auch wenn ich häufig mit einem großen Widerwillen und einem Gefühl der Hilflosigkeit in die Schule gehe. Denn es ist meine Berufung, in diesen grotesken Zeiten einen Gegenpol der Vernunft zu schaffen, Ängste zu nehmen und den Kindern ein Stückweit Normalität zu geben. Zumindest im Klassenraum werde ich von meinem „pädagogisch-didaktischen“ Spielraum[Hygiene-Plan RLP S. 3] Gebrauch machen und ein maskenfreies, menschliches Lernklima schaffen. Ich hoffe, dass andere Kollegen und Kolleginnen dies ebenfalls so handhaben – für unsere Schüler und Schülerinnen, aber auch für unsere eigenen Kinder.

8 Gedanken zu „RLP: Der Hygieneplan-Corona der Schulen – ein Abschied von menschlicher Pädagogik und Vernunft

  1. Peter Baier (admin) Beitragsautor

    Meine persönliche Bewertung des Wortes “Hygiene” hat sich seit einiger Zeit drastisch verändert. Während ich “Hygiene” früher als Teil der notwendigen Körperpflege gesehen habe (Sich waschen, Zähne putzen, alle 3 bis 4 Monate auch mal duschen 😉 ) bedeutet Hygiene für mich heute, irgendeinen Zwang, den mir andere aufoktroyieren wollen, um mich zu gängeln. Und wenn ich mich nicht daran halten will, bin ich “unsolidarisch” und nehme den Tod meiner Mitmenschen billigend in Kauf. Der findet dann meistens an einer Beatmungmaschine statt. Gehirnwäsche ist das Leitbild dieser Zeit.

    Alleine diese bescheuerte Handdesinfektion nervt kolossal. Haben die eigentlich noch nicht realisiert, dass Schmierinfektion keine Rolle bei der Übertragung von SARS-CoV-2 spielt?

    Das, was ich da sehe, nennt man in der Psychologie “kollektiver Wahn”. Aber da ist die Schule auch eine Chance. Ich stelle seit letztem Schuljahr meinen Schülern immer sehr sachlich die aktuelle Entwicklung der Infektion dar. Ich erkläre ihnen immer wieder, dass “infiziert” nicht gleich” krank” und auch nicht gleich “tot” bedeutet. Man muss den Kindern die Angst nehmen. Meine Kollegen hassen mich deswegen. Es ist mir gleichgültig.

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  3. Marion

    Es ist unmenschlich, unpädagogisch, unmöglich. Pädagogische Konzepte, Prämissen und Prinzipien gelten plötzlich nicht mehr. Es macht mich unendlich traurig und fassungslos.
    Wir Lehrer und Lehrerinnen (politisch korrekt, was mir auch ziemlich auf die Nerven geht) sollen nein wir müssen aufstehen. Wir tragen die Verantwortung für die jungen Menschen. Wir haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag und hatten alle einen Grund diesen Eid zu schwören. Dafür habe ich ihn nicht geschworen. Ich werde gezwungen gegen meine pädagogischen Prinzipien zu handeln. Abstand, Masken und sonstige überzogenen hygienische Maßnahmen haben in der Schule nichts verloren. Was tun wir einer ganzen Generation an? Wo bleibt die Menschlichkeit? Wie kann so Bildung und Erziehung funktionieren? Soziales Lernen wird bei uns an der Schule normalerweise groß geschrieben. Jetzt nicht mehr? Das kann doch nicht sein! Welche Generation ziehen wir heran? Und wir Lehrer sind Teil des Systems, wir führen aus. Das geht nicht. Wir haben eine pädagogische Verantwortung unseren Schülern gegenüber. Wir müssen handeln und aufstehen.

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  4. Kerstin

    Mein Sohn ist letzte Woche eingeschult worden in RLP. Sie müssen in der Pause die Masken tragen und dürfen sich nicht mit anderen Klassen “vermischen”. Auch im Klassenzimmer sitzen sie allein am Tisch mit Abstand zum Nachbarn. Ein Miteinander gibt es nicht wirklich. Und die Krönung: heute hatten sie Sport…im Schulhof…mit MASKE. Ich finde es so grausam und kann nicht nachvollziehen, dass dies für Eltern in Ordnung ist. Im Fitnessstudio darf ohne Maske trainiert werden und Ersrklässler müssen draußen mit Maske Sport machen? Wo leben wir denn?

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    1. admin Beitragsautor

      Guten Abend!

      “Wo leben wir denn?”

      Wir leben in einem Land, in dem die Politiker nicht einmal mehr die elementaren kognitiven Leistungen aufbringen, welche man braucht, um das Niveau zum Verständnis einfachster Logik zu erreichen. Diese Leute sind komplett unfähig um unser Land vernünftig zu regieren.

      Peter Baier (Webmaster lehrer-fuer-aufklaerung.de)

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  5. Ortrun Ehrhardt

    Wir leben in einem Land, das von älteren Menschen regiert wird, welche völlig die Bodenhaftung verloren und keinerlei Zukunftsvisionen haben, Kinder und Familien kommen in der Hackordnung ganz unten. Trauriges aktuelles Beispiel: Die heutige Beratung der Kanzlerin mit den Länderchefs. Zuerst wurden private Feiern und Volksfeste diskutiert- Schule und Kinder kamen zum Schluss. Es gibt ja inzwischen immer mehr Ärzte und Rechtsanwälte , die sich öffentlich dazu äußern und zwar nicht im Sinne der für mich DDR.2.0 -Regierung (bin gediente DDR Bürgerin mit Widerstandshintergrund, bin also Repressalien gewohnt.) . Trotzdem verstehe ich nicht, warum es so wenig sind. Auch diese sind doch Familienmütter/Väter/Großeltern. Als Lehrerin versuche ich den Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zu bieten. Bei mir herrscht Maskenverbot im Unterricht. Es ist eine Schande, was hier in so kurzer Zeit aus Deutschland mit einem wunderbaren Grundgesetz geworden ist. Eben leider ein Land unter der Schandmaske.

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  6. V.L. aus Rheinland-Pfalz

    Ich habe leider das Gefühl, wir müssen als Lehrer doppelt wachsam sein. Einerseits ist es unsere moralische und professionelle Verpflichtung, den Schülern ein Gefühl von Freiheit, kritischem Denken und Selbstbewusstsein zurückzugeben. Wir -und ich – stellen uns also gegen sinnlose, von oben verordnete Regeln. Gleichzeitig müssen wir beachten, dass wir jederzeit “verpetzt” werden können – von übereifrigen Kollegen, paranoiden Eltern oder einer doppelt besorgten Schulleitung. Ich habe in einer Woche beides erlebt: eine Schulleitung, die mir sagte, ich solle meine Aufsicht besser wahrnehmen und auf Abstände achten. Und das, obwohl die Kinder doch im Unterricht dicht an dicht ohne Masken sitzen! Im Pausenhof, an der frischen Luft, ist das dann ein Vergehen. Außerdem musste ich mir von einer Mutter vorwerfen lassen, ich sei zu sorglos und würde ihr Kind nicht schützen, das übrigens die ganze Schulzeit über mit einer FFP2 Maske im Unterricht sitzt und nicht mehr mit den Klassenkameraden spielen darf. Diesen Wahnsinn muss man erst mal verkraften…

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