Das ewige “WIR” – Wie Politikersprache zur Verblödung beitragen soll

Von | Dezember 30, 2020

Ich stieß gestern in den unendlichen Weiten des Netzes auf einen Artikel, der mich etwas über Sprache reflektieren ließ. Und zwar jene eigenartige Sprache, mit der uns Politiker der altbekannten Parteien und die ihnen zugehörigen Medien permanent einzuwickeln suchen. Beständig taucht dabei ein Zauberwort auf, dieses Wort heißt “wir” und es wird inflationär verwendet. Zusammen mit allerlei anderem verbalem Unsinn, der so täglich über die Sender geht, erleben wir das moderne Politsprech der 2020er Jahre in verschärfter Form. Auch und insbesondere angesichts der “Krise”.

Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommnern, die Urheberin dieser verbalen Ergüsse, wird in dem oben verlinkten RT-Artikel zitiert mit den Worten:

Ich gehe davon aus, dass wir die Maßnahmen verlängern müssen. Denn wir sind noch nicht durch, und wir müssen deutlich unter eine Inzidenz von 50 kommen, damit wir wieder in besserem Fahrwasser sind – und das wird noch eine lange Strecke.

Zuerst einmal fällt die teilweise sehr einfache Sprache auf, die demonstrativ plakativ daherkommt. “…wir sind noch nicht durch…”, “…lange Strecke…” und dann werden wieder komplexere Begriffe wie “Inzidenz” darunter gemischt, damit auch die absolute Ernsthaftigkeit der Lage und die vermeintliche Kompetenz der Sprecherin vermittelt werden. Wobei ich nicht verstehe, warum diese Inzidenz ausgerechnet mit dem Wert 50 definiert wird. Ist aber auch egal, Hauptsache man hat eine Zahl, denn Zahlen sind immer wissenschaftlich.

Zum Handwerk des Politikers, der oftmals nicht gerade Teil der Gruppe der  intellektuellen Überflieger dieser Gesellschaft ist, gehört es aber, beständig ebenso wortreiche wie inhaltsleere Sprechblasen in Serie zu produzieren.

Weiter sagt sie:

“Der Schein trügt. Die niedrigen Zahlen jetzt über die Feiertage müssen wir wirklich vorsichtig sehen. (…) Wir müssen weiter strenge Maßnahmen einhalten, und dazu gehört vor allem, dass ab heute ja gilt, dass die Weihnachtsregel vorbei ist und wir uns wieder nur in ganz kleinem Umfang sehen können.

Haben Sie mitgezählt, wie oft in dem kurzen Abschnitt das Wort “wir” vorkam?

“Der Schein trügt. Die niedrigen Zahlen jetzt über die Feiertage müssen wir wirklich vorsichtig sehen. (…) Wir müssen weiter strenge Maßnahmen einhalten, und dazu gehört vor allem, dass ab heute ja gilt, dass die Weihnachtsregel vorbei ist und wir uns wieder nur in ganz kleinem Umfang sehen können.

Aller guten Dinge sind drei, also auch 3 Mal das Wort “wir” in dem Absatz. Im oberen Zitat findet man “wir” sogar vierfach verwendet. Das muss also einen Zweck verfolgen. Es wird dem Publikum zu suggerieren versucht, dass hier ein klarer und unumstößlicher Konsens bestünde und wer da nicht mitmacht, ist entweder ein “Covidiot”, ein “Verschwörungstheoretiker”, ein “Rechter”  oder wird mit irgend einer anderen Worthülse aus dem an Ausgrenzungvokabeln nicht gerade armen SPD-Sprech belegt.

Ich sehe das, über was die Dame da referiert, übrigens zur Gänze anders. Genauer gesagt: Ich halte dieses Aussage(n) für unbegründet, wissenschaftlich fragwürdig, unreflektiert und grundfalsch.

Gibt es beispielsweise einen Beleg dafür, dass “Social distancing” signifikant zur Senkung der Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 beiträgt? Oder dass durch das Schließen von Gastronomiebetrieben weniger Menschen mit einem positiven PCR-Test auffallen? Oder dafür, dass der Zwang für Schüler und Lehrer in der Schule eine Gesichtswindel tragen zu müssen die “Krankheitsfälle” erheblich reduziert? Nein, für keine dieser Annahmen gibt es einen wissenschaftlichen Beweis. Keinen einzigen.

Trotzdem versuchen uns Politiker wie Schwesig und die anderen Damen und Herren der Corona-Polittruppe permanent genau davon durch ihre in sehr hoher Frequenz abgegebenen Lautmeldungen zu überzeugen. Und damit das alle glauben, verwendet man immer wieder das Wort “wir”. Es soll  (auch durch die Penetranz, mit der es gepredigt wird) wie ein Bindeglied zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft wirken und soll die Gemeinschaft der Menschen stärken und Glauben machen, alle zögen an einem Strang. “Wir” steht als Synonym für “alle”.

Darüber hinaus enthält das ewige “wir” aber auch eine genau so beabsichtigte Abgrenzung zu Menschen, die abweichende Meinungen vertreten. Denn wer bei der Verfolgung der ach so ehrenwerten politischen Ziele von Frau Schwesig und Co. nicht mitmacht, der ist eben “böse”. Hier wird also mit dem “wir” eine moralisierende und eine daneben ausgrenzende  Komponente eingefügt. Etwas was gerade Politiker aus dem linken Lager sehr gut beherrschen.

Mit diesem Hilfsmittel arbeitet dann die heute vielfach zu beobachtende Erziehungspolitik. Eine Art von Politik, die  nicht mehr nur versucht, das Zusammenleben der Menschen möglichst konfliktfrei zu organisieren und einen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen zu ermöglichen sondern eine Politik, die versucht, knallhart Erziehungsziele zu erreichen. Der Politiker, der gerne Volkserzieher wäre. Und seine Erziehungsziele definiert er natürlich selbst (denn er ist die moralische Instanz an der sich alle messen müssen), und sei es  nur,  die Menschen dahin zu bringen, sich nicht mehr mit anderen zu treffen, also das soziale Leben komplett aufzugeben, zumindest so weit es “offline” stattfindet.

So sollen die Menschen im Sinne eines neuen Weltbildes erzogen werden, das Mittel dazu ist die allfällig eingesetzte Moralkeule zusammen mit dem “wir”. Man hat den “korrekten” moralischen Impetus und wähnt sich alleine deshalb auf der richtigen Seite.

Eine besonders dünngeistige Form des “wir” legte mir vor einiger Zeit ein Kollege (oder war es eine Kollegin?) auf den Platz im Lehrerzimmer. Natürlich, feige wie immer, ohne den Absender des Geschenkes dazu zu schreiben. Es handelte sich um einen Anstecker (neudeutsch “Button”) mit der Aufschrift

“Rheinland-Pfalz – WiR gegen rechts”.

Auch wenn Sie es nicht glauben werden: Das steht genau so da! Die  Schreibweise ist 1:1 vom Original übernommen! das Ding liegt noch hier, ich kann’s also beweisen.

Mein erster Gedanke war: Die können nicht mal richtig schreiben! Der zweite: “Hätte da an das “WiR” noch ein “r” angehängt werden müssen?”  Ob groß oder klein geschrieben, dies wäre angesichts des auf einen Knopf gedruckten orthographischen Totaldesasters nicht von Relevanz gewesen, das sei nur am Rande angemerkt.

Drittens fragte ich mich weiter, wer ist eigentlich “wir”? Nur die Landesregierung von Frau Dreyer nebst ihrer Entourage, sind es alle Bürger des Landes oder nur jene, die sich zu den besseren Menschen zählen und das dann durch diese demonstrativ zelebrierte Haltung zum Ausdruck bringen oder wer auch immer? Und wer oder was verdammt nochmal ist denn nun eigentlich genau “rechts”? Politisch zumindest.

Ist “rechts”  bereits jener, der sich erdreistet, eine eigene Meinung zu vertreten oder muss man, um “richtig rechts” zu sein, zur Begrüßung der Mitmenschen reflexartig den rechten Arm hochreißen und irgendwas mit “Heil….” krakeelen, je lauter, je besser? All das kann mit den dürren und grammatikalisch falschen Worten einer Landesregierung, die solch eine inhaltliche Nullnummer auf Ansteckknöpfe drucken lässt (und damit unser Steuergeld verschwendet) nicht gesagt werden. Aber Hauptsache das “wir(r)” gewinnt.

Ach ja, liebe Landeregierung RLP, Ich bin ja nun nicht einmal Deutschlehrer, aber dass in dem Satz das Prädikat fehlt, wollte ich Ihnen noch mal eben erklären. Der Satz muss heißen: “Wir sind gegen rechts!“. Von allem anderen Unsinn, der sich inhaltlich in ihm verbirgt, einmal abgesehen.

Was ich mir noch überlege: Wenn in der Schule, die ja politisch neutral zu sein hat, solche Buttons “gegen rechts” getragen werden dürf(t)en, darf ich dann auch einen “Querdenker”-Button in gleicher Weise tragen? Oder zumindest das “rechts” durchstreichen und gegen “links” ersetzen? Nur um mal die Richtung zu welchseln?

 

6 Gedanken zu „Das ewige “WIR” – Wie Politikersprache zur Verblödung beitragen soll

  1. Christian

    🙂
    Vorab: Du darfst den QD-Button tragen, könntest dann aber ins QZ* kommen. Alles kann, nichts muss. 😉 Aber dann hat der/ die/ das maZi-Kolleg*In keine Ablage mehr, um solch` einen Trigger auf Deinen “Platz” zu legen. Vlt. besucht er Dich ja dafür im QZ und gibt es Dir dort. Vorher geht er unter der Eingangs-beschriftung “Impfen macht frei”* durch.
    *wird es nie geben, ist reine Fantasie

    “Wir” suggeriert Abstimmung, Mehrheit, Kompetenz, Dazugehörenwollen und einfach eine nice story.

    Dieses “Wir” sind all die Verschwörungstheoretiker, die an ein “Virus” glauben, welches die von ihnen propagierten Symptome auslösen soll. Diese/-r/-s Virus*In wurde selbst noch nie dahingehend nachgewiesen.
    Was es aber gibt, ist eine Laborseuche, die nachweist, dass es Stoffwechselprodukte von nicht nachgewiesenen Viren*Innen gibt.

    Antworten
  2. Koneckis-Bienas

    (30.12.2020) … Dazu passen ein Kinderlied und zwei Sprichwörter:
    Der Teufel kennt viele Künster, aber singen kann er nicht;
    Der Teufel kennt viele Künste, aber lachen kann er nicht;
    Der Teufel kennt viele Künste, aber helfen kann er nicht.

    Die Wahrheit gibt kurzen Bescheid, die Lüge macht viel Redens.

    Wenn der Teufel in die Kirche kommt, will er sogleich auf den Predigerstuhl.

    pe mahc ehe ebe.cbihct.

    Antworten
  3. Pingback: Das ewige “WIR” – Wie Politikersprache zur Verblödung beitragen soll – Lehrer für Aufklärung – Kon/Spira[l]

  4. Anymonus

    “Ich gehe davon aus, dass wir die Maßnahmen verlängern müssen. Denn wir sind noch nicht durch, und wir müssen deutlich unter eine Inzidenz von 50 kommen, damit wir wieder in besserem Fahrwasser sind – und das wird noch eine lange Strecke.“

    Einfach mal “Event-201” konsumieren, rein exemplarisch. Wer aus der Führungsetage Wirtschaft kommt, kennt diese Rhetorik(trainings) natürlich genau so wie Juristen ihren “Legal Code” kennen. Dieses “Sprech” ist Chiffre und richtet sich an bestimmte Adressaten. Ich schmunzle darüber.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Koneckis-Bienas Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.