Der Zahlenmüll des Robert-Koch-Instituts (RKI)

Von | Februar 11, 2021

Dem RKI wurde bereits von wissenschaftlicher Seite bescheinigt, dass seine epidemiologischen Zahlenwerke nicht besonders valide seien (Link zur Ärztezeitung). Ein Wissenschaftler nannte das Datenmaterial sogar mal “Müll”. Und gerade hatte ich ebenfalls eine entsprechendes “AHA”-Erlebnis. Ich habe den Müllberg besucht.

Ausgangspunkt war ein Bericht auf swr.de, nachdem die Ministerpräsidentin Dreyer aus RLP folgendes verlauten ließ:

Regierungschefin Dreyer dankte in einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag den Rheinland-Pfälzern, dass die Zahl der Neuinfektionen so niedrig sei, dass das Land am Mittwoch die niedrigste Inzidenz in Deutschland hatte. Dass auch die ehemaligen Hotspots wieder niedrigere Zahlen hätten, zeige, dass die Maßnahmen wirken. (Quelle)

Zuerst beeindruckt natürlich die sehr einfache Denkweise, die sich hinter Sätzen wie “…zeige, dass die Maßnahmen wirken.” verbirgt. Woher will Frau Dreyer, die natürlich KEINE naturwissenschaftliche Ausbildung hat, das so genau wissen? Und als Nicht-Naturwissenschaftlerin wird der Dame der Unterschied zwischen “Korrelation” (wenn es denn eine gäbe) und “Kausalität” auch nicht unbedingt klar sein. Zur plastischen Verdeutlichung des Problems empfehle ich immer diese Seite. Vielleicht versteht Frau Dreyer es dann etwas besser, was das Grundproblem ist.

Exkurs: Meine liebste Grafik bezüglich des Spannungsfeldes von “Korrelation” und “Kausalität” ist jene, die tatsächlich eindeutig zweifelsfrei und ohne Umschweife nachweist, dass McDonalds seine Kunden krank macht. Und zwar so krank, dass sie hospitalisiert werden müssen. Darauf erst mal einen BigMac mit großer Pommes!

(Quelle ebd.)

Vielleicht liegt der Rückgang der Inzidenz was Covid-19 in RLP betrifft ja an ganz anderen Faktoren? Vielleicht am Wetter, vielleicht daran, dass sich mittlerweile ein großer Teil der Bevölkerung merklich oder unbemerkt mit SARS-CoV-2 infiziert hat und dadurch immun geworden ist? Oder liegt es daran, dass einfach weniger Tests durchgeführt werden? Egal, Politiker denken immer in sehr kurzen Bahnen, ich tue das nicht. Ich wollte mich daher der letzten aufgeworfenen Fragestellung zuwenden und habe daher die Testzahlen von Rheinland-Pfalz ausgewertet. Beim RKI wird man fündig.

Hinter dem Link findet man eine Aufstellung der Testzahlen für jedes Bundesland wochenweise aufsummiert, die Daten werden als “kumulativ” bezeichnet.

Statistisch spricht man hier von einer “Kumulierten Häufigkeit“. Ein entsprechender Funktionsgraph muss also stetig wachsen. Und wenn man die “kumulierten” Testzahlen graphisch abbildet, erwartet man eben auch eine stetig steigende Funktion, denn weniger Tests werden das mit der Zeit nicht. Es kommen jeden Tag welche hinzu oder auch nicht, dadurch kann die Zahl im besten Falle gleich bleiben (dann hätte man eine parallel zur Abszisse verlaufende Funktion) oder sie wächst an. Soviel zur Erwartungshaltung.

Jetzt machen wir das mal mit den Zahl der durch das RKI gemeldeten Tests für Rheinland-Pfalz. Zuerst die entsprechende Datentabelle:

Datum Anzahl („kumulativ“???)
04.08.20 122390
18.08.20 140395
25.08.20 151213
01.09.20 163052
08.09.20 176901
15.09.20 207674
22.09.20 221657
29.09.20 235021
06.10.20 136400
13.10.20 143743
20.10.20 149014
27.10.20 156780
03.11.20 169434
10.11.20 181605
17.11.20 188024
24.11.20 194148
01.12.20 201858
08.12.20 206682
15.12.20 209867
22.12.20 182696
29.12.20 222717
05.01.21 220418
12.01.21 224793
19.01.21 224453
26.01.21 222496
02.02.21 220838
09.02.21 221055

Schon beim ersten Darüberschauen fällt auf, dass da einiges nicht stimmt. Nimmt man eine graphische Auswertung vor, wird die Überraschung noch größer:

Da ist man sprachlos. Bis Ende September geht die Gesamtzahl der Test wie erwartet stetig nach oben und fällt dann aber plötzlich um ca. 80.000 ab. Haben diese Tests sich einfach in Luft aufgelöst? Danach steigt die Zahl dann wieder an, um zur Jahreswende wiederum zu fallen. Ab da geht die Gesamtzahl dann nur noch leicht zurück. Das also ist kompletter Zahlenmüll, was das RKI da abliefert. Eine hochpeinliche Veranstaltung!

Leider haben wir aber keine besseren Zahlen, daher versuche ich anhand nur der Daten seit der Jahreswende zu zeigen, dass Frau Dreyer ziemlich auf dem Holzweg sein muss, wenn sie die zurückgehende Inzidenz mit “den Maßnahmen” erklären will. Denn die Zahlen des RKI zeigen, dass seit Jahreswechsel praktisch kein Zuwachs an Testzahlen mehr stattfindet:

Datum Anzahl („kumulativ“???) Delta zur Vorwoche
05.01.21 220418 -2299
12.01.21 224793 4375
19.01.21 224453 -340
26.01.21 222496 -1957
02.02.21 220838 -1658
09.02.21 221055 217

Ja, ich weiß, man sollte nicht mit unsinnigen Daten beweisen wollen, dass Leute Unsinn reden, das wird nichts. Zumindest wird aber zumindest in Grundzügen klar, dass in RLP die summierte Anzahl der Tests nicht zunimmt und insofern auch ein Rückgang der Inzidenz zu erwarten ist. Weniger Test pro Zeiteinheit => weniger “Infizierte” pro Zeiteinheit. Zumindest diese Korrelation erscheint plausibel.

So, fast geschafft, aber wenn wir schon so schön dabei sind, die SPD zu belästern, probieren Sie doch mal das:

Interessanterweise funktioniert das mit “Seehofer droht…” nicht. Der hat wahrscheinlich die besseren Anwälte.

 

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