Gibt es tatsächlich einen neuen Anstieg der Corona-Infektionen?

Von | September 27, 2020

Von Udo Tegethof

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet täglich neue Corona-Infektionsfälle. Es handelt sich jedoch um Laboranalysen der Proben von getesteten Personen. Ob diese Personen erkrankt sind wird dabei außer Acht gelassen. Ebenso fehlen Informationen zur Befallsintensität, und damit zur Frage, ob jede positiv getestete Person genügend Viren im Körper hat, um ansteckend wirken zu können. In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, ob der neuerliche Anstieg der positiven Testergebnisse auf die schlichte Anzahl der Testungen zurückgeführt werden kann.

Die folgenden Darstellungen stützen sich auf die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichen Listen, in denen die Ergebnisse je Kalenderwoche dargestellt sind1. Der besseren Lesbarkeit halber werden hier jeweils die Enddaten der Kalenderwochen angegeben. Für Woche 10 ist das der 8. März 2020 und Woche 37 der 13. September.

Abbildung 1 zeigt die Anzahlen der wöchentlichen Testungen und die positiven Testergebnisse. Dabei wurden die Werte für die Testungen durch 10 geteilt um die Grafik übersichtlicher zu gestalten. Die tatsächliche Anzahl für den 8. März beträgt 124.716, für den 13. September 1.120.835 Testungen.

(Quelle: Epidemiologisches Bulletin 38_20 vom 17. September 2020, Seite 15, Datenstand 16.9.2020)

Abbildung 1

Mit dem Anstieg der Epidemie wurde verstärkt getestet. Zwischen der 12. (22. März) und 24. Kalenderwoche (14. Juni) schwankten die wöchentlichen Testungen dann um einen Mittelwert von rund 370 Tausend Testungen. In diesem Zeitraum verringerten sich die positiven Testergebnisse von 36865 in der 14. Kalenderwoche (Woche bis zum 5. April) drastisch auf 2816 in der 24. KW (14. Juni). Die Epidemie ließ nach.

Seit dem 15. Juni findet ein rasanter Anstieg der Testungen statt, dem die positiven Testergebnisse in absoluten Zahlen geringfügig folgen. Abbildung 2 zeigt dies in prozentualen Verhältnissen, dabei wurden die Anfangswerte der Woche 10 gleich 100 % gesetzt. Während die Testungen seitdem um das 9-fache angestiegen sind, erreichen die positiven Testergebnisse nach dem ersten Abklingen der Epidemie Anfang Juni nur noch den zweieinhalbfachen Ausgangswert. Eine hohe Anzahl von Testungen läßt die positiven Testergebnisse steigen, erscheint aber überproportional dazu zu sein.

Abbildung 2

In diesem Zusammenhang ist der Verlauf der Testquote aufschlussreich (Abb. 3). Das ist der Prozentsatz der positiven Testergebnisse an der Gesamtzahl der Testungen. Seit der 22. Kalenderwoche (31. Mai) liegen die Quoten um 1 % und darunter.

Eine mögliche Erklärung für den neuerlichen Anstieg der positiven Testergebnisse bietet folgende These: Seit dem Abklingen der Epidemie Anfang Juni ist stets ein konstanter Anteil der Bevölkerung Träger des Virus. Personen, die immun geworden sind, scheiden aus diesem Anteil aus, andere kommen hinzu. Insgesamt bleibt der Anteil in der Gesamtbevölkerung seit Anfang Juni konstant. Würde die Anzahl der wöchentlichen Testungen ebenfalls konstant bleiben, würden in jeder Woche gleich viele positive Testergebnisse auftreten. Da jedoch die Testungen zunehmen erhöht sich der Anteil der getesteten Bevölkerung und damit auch die Anzahl positiver Ergebnisse. Um ein Beispiel zu geben: wenn in einem Sandhaufen gleichmäßig verteilt 8 Steine pro Kubikmeter liegen, dann findet man bei der Siebung von 10 Kubikmetern Sand 80 Steine. Erhöht man die Siebung um das 4-fache auf 40 Kubikmeter, dann findet man entsprechend 320 Steine. Daraus aber den Schluss zu ziehen, die Steine im Sand hätten zugenommen, ist offensichtlich verkehrt. Genauso verkehrt kann es sein, gegenwärtig von einer Zunahme der täglichen bzw. wöchentlichen Infektionen zu sprechen. Es scheint vielmehr so zu sein, dass die Weitergabe des Virus innerhalb der Bevölkerung in etwa konstant bleibt. Nur in den wenigsten Fällen stellt sich jedoch eine Krankheitserscheinung ein. Über tatsächliche Erkrankungen liegen mir z.Zt. keine Daten vor. Unterstützt wird die These durch die glücklicherweise sehr niedrige Zahl an Todesfällen (Abb. 4). Wobei noch zu bedenken ist, ob SARS CoV2 wirklich ursächlich für den Sterbefall war. Leider hat das RKI frühzeitig von Obduktionen abgeraten.

Unklar bleibt der Anteil der falsch positiv getesteten Personen. Bei jeder Analyse gibt es eine gewisse Fehlerquote. Die existiert jedoch auch für die negativen Ergebnisse. Der Einfachheit halber wird angenommen, dass sich diese Wirkungen gegenseitig aufheben oder zumindest nicht so gravierend sind, um obige Überlegung zu stören. Allerdings kann Symptomlosigkeit auch bedeuten, dass das positive Testergebnis falsch ist.

Bei einer durchschnittlichen Quote von 0,8 % seit der 26. Kalenderwoche wären 800 von 100000 Personen Träger des Virus. Dieses Verhältnis ist wahrscheinlich zu hoch, denn ein hoher Anteil der Tests bezieht sich auf Personen, die mit Krankheitserscheinungen den Arzt aufsuchen, bzw. auf Personen im Umfeld bereits positiv Getester, sogenannte Hotspots. Die Testungen werden nicht nach einem Schema für den repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt durchgeführt.

Abbildung 3

Abbildung 4

Fazit: Zähle ich das alles zusammen: die gestiegenen Testungen, die niedrige Quote und geringe Sterberate, so erscheint mir die Richtigkeit der These plausibel, nämlich dass die gegenwärtige Zunahme der sogenannten „Fallzahlen“ auf die gestiegene Anzahl der Tests zurückzuführen ist.

 

2 Gedanken zu „Gibt es tatsächlich einen neuen Anstieg der Corona-Infektionen?

  1. Hauke Fürstenwerth

    Auch wenn die Fehlerquote der durchgeführten Tests ein wichtiger Aspekt der Testpandemie ist, bleibt die Kernfrage, ob der Test geeignet ist, Coronaviren nachzuweisen. Diese simple Frage beantwortet sich auch für Laien verständlich wenn man ein wenig genauer auf den Test schaut:
    Corona-Viren haben keine DNA, es sind RNA-Viren. Die Erbinformation der Corona Viren ist in RNA Strängen gespeichert. Der PCR-Test funktioniert aber nur mit DNA-Strängen. Deshalb wird wie folgt vorgegangen (auf die Beschreibung zwischengeschalteter Reinigungsoperationen wird der Klarheit wegen verzichtet):
    In einem ersten Schritt werden alle Zellen und Viren, welche in einem Testabstrich enthalten sind, „geschreddert“. Es wird eine sogenannte Lyse durchgeführt, welche Zellen und Viren in ihre Bestandteile zerlegt. Sodann werden die hierbei freigesetzten RNA-Fragmente mittels eines Enzyms (Revers Transferase) in DNA-Fragmente konvertiert. (Die richtige Bezeichnung des Tests ist deshalb RT-PCR) Von den DNA-Fragmenten werden solche ausgewählt von denen man vermutet, dass die korrespondierenden RNA Fragmente nur im Corona Sars 2 Virus vorkommen. Diese cDNA Fragmente (correspondierende DNA) werden mittels PCR-Verfahren vervielfältigt und nachgewiesen.
    Durch die Lyse werden alle ggf im Abstrich enthaltenen Viren – gleich ob infektiös oder nicht – zerstört. Bedingt durch dieses Schreddern ist also nach der Lyse kein Virus mehr vorhanden, welches nachgewiesen werden könnte. Es ist auch nicht möglich, zu bestimmen, woher die RNA Fragmente im komplexen Lysegemisch stammen. Hinzu kommt die Frage, ob die gewählten cDNA Fragmente spezifisch sind für Sars Cov 2 oder ob die gewählten Sequenzen auch bei anderen Corona Viren zu finden sind oder ob identische DNA Sequenzen aus anderen im Abstrich vorhandenen Zellen stammen. Der Test kann also nicht bestimmen, ob in einem Abstrich infektiöse Viren vorhanden sind oder nicht. Dieser Sachverhalt sollte auch für Laien, Journalisten und Politiker nachvollziehbar sein.

    Eine illustrative Animation zum RT-PCR finden Test finden Sie hier
    https://www.youtube.com/watch?v=ThG_02miq-4

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