Kein Aprilscherz: In Rheinland-Pfalz darf man jetzt wieder einkaufen – aber mit Termin!

Von | Februar 25, 2021

Es gibt Tage, da fasst man sich noch intensiver und häufiger an den Kopf als an anderen. Gestern war so ein Tag. Der Nachrichtensender “n-tv” titelte:

(Quelle)

Erstens, werte Redakteure von “n-tv”, ist das kein “Shopping” sondern Krampf. “Shopping” ist, wenn man durch die Stadt geht ,vor den Läden steht, sich denkt “Oha, das könnte was sein!” und hinein geht. Ganz spontan. Aber dass heutige Redakteure die deutsche Sprache von Syntax UND Semantik her beherrschen, ist ja auch nur eine krude Wunschvorstellung. Lassen wird das also.

Als nächstes frage ich mich, was sich Frau Dreyer und ihre Entourage wohl gedacht haben müssen, als sie diese “geniale” Idee in die Welt setzten. Vermutlich gar nichts.

Bestellte Ware kann nicht mehr nur abgeholt, sondern – unter strengen Auflagen – auch im Geschäft anprobiert werden. Mit einer Neuregelung will Rheinland-Pfalz unter anderem die Anprobe von Kleidung im Geschäft unter Corona-Schutzmaßnahmen ab kommender Woche wieder möglich machen. “Nach vorheriger Vereinbarung können Einzeltermine vergeben werden und immer nur ein Hausstand das Geschäft betreten”, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach einer Sitzung ihres Kabinetts in Mainz. Ab März werde ein solches “Terminshopping” möglich gemacht.

(Quelle ebd.)

Liebe Frau Dreyer, dass Ihr Parteivolk von Wirtschaft in der Regel nicht allzuviel versteht, ist bekannt. Ich erkläre Ihnen das jetzt mal, denn das hier ist schließlich eine Seite, die auch der Bildung dient:

Geld (also der Gegenwert von Waren und Dienstleistungen) kommt nicht aus der Gelddruckmaschine (heute als “EZB” bezeichnet) sondern es entsteht durch wirtschaftliches Handeln. Grundlage wirtschaftlichen Handelns ist die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben. Oder anders gesagt: Man muss mehr einnehmen als ausgeben. Sonst wird das nichts. Das kann Ihnen übrigens Tante Emma vom kleinen Laden um die Ecke am besten erklären.

Wer ein Geschäft betreibt, hat also Kosten, so viel sollte klar sei. Darunter versteht man Fixkosten (also z. B. Aufwand für das Gebäude, den Laden, die Ausstattung etc.), die immer bezahlt werden müssen. Zusätzlich hat man variable Kosten (Personal, mal mehr mal weniger, Ware die gekauft und gelagert werden muss, Energie etc.). Diese Kosten variieren, je nach Betriebsgegebenheiten.

Wenn der Laden jetzt aber nur einen Kunden pro Zeiteinheit bedienen kann, wird der Besitzer folgendes merken: Er hat hohe Aufwendungen (Kosten), aber er realisiert wegen der aufgrund Ihrer “genialen” Idee verordneten “Einzelbetreuung” kaum Umsatz und damit auch kaum Gewinn. Oder gar keinen. Das heißt, die Sache lohnt sich für ihn nicht.

Was wird der Betreiber nun tun? Klar, wie bekannt: Der Laden bleibt zu und ist dann in kurzer Zeit Pleite. So läuft das.

“Das ist zum Beispiel für Bekleidungsgeschäfte und Brautmodeläden eine Perspektive”, sagte die SPD-Politikerin. Bei den Einzelterminen soll die Maskenpflicht gelten. Die Kontaktdaten der Kunden müssen erfasst werden. Wenn mehrere Einzeltermine in Folge an einem Tag vergeben werden, müssen dazwischen mindestens 15 Minuten für Hygienemaßnahmen und Lüften freigehalten werden.

Diese Landesregierung hat verstanden, wie Einzelhandel wirklich funktioniert. So sieht Wirtschaftskompetenz aus.

Liebe Frau Dreyer, OK, es ist bald Landtagswahl hier in RLP. Und es sieht nicht gut aus für Ihre SPD. Aber muss man (bzw. frau) aus Panikgründen jetzt Ideen in die Welt setzen, die so komplett irrational sind? Muss das wirklich sein?

Ein Gedanke zu „Kein Aprilscherz: In Rheinland-Pfalz darf man jetzt wieder einkaufen – aber mit Termin!

  1. Anymonus

    “Shopping” ist, wenn man durch die Stadt geht ,vor den Läden steht, sich denkt “Oha, das könnte was sein!” und hinein geht. Ganz spontan.

    Bei den Corona-Meldungen, die wir seit 2020 kaufen sollen, war das bei mir immer so: Ich stand davor und dachte “Oh Gott, Menschenskind, das darf doch nicht wahr sein! Das ist doch nix, nicht mal in Billig. Typisch China, wozu soll ich diesen Scheiß kaufen? Und überhaupt Zeit investieren, mich damit zu befassen?”

    Sehr schnell merkte ich , dass mir etwas aufgenötigt wurde, das ich weder haben noch behalten wollte, selbst wenn es geschenkt war. Doch es ging nicht mehr darum, was ich wollte. Und Spaß macht es auch nicht. Von da an wurde es seltsam. Sehr seltsam. Und führt bis heute zum Widerstand. Bis in den Untergrund. Egal wie, Hauptsache, den Wahnsinn beenden.

    Ab März werde ein solches “Terminshopping” möglich gemacht.

    In Düsseldorf, NRW’s Landeshauptstadt und neben Reker’s Köln hochrotes Nest, ist nunmehr “längeres Verweilen” in der Innenstadt nicht mehr erlaubt. Längeres Stehen an der Ampel führt damit zwangsläufig zur OwiG: Überqueren bei Rot. Die Zeit drängt! Damit ist Düsseldorf vollends durchgeknallt. Das ist paranoid, mit nichts zu rechtfertigen und müsste für Entfernung aus dem Dienst taugen für die Person, die diesen Schwachsinn in die Welt setzt. Stattdessen freut man sich offenbar, diesen geistigen Tiefstflug zu zelebrieren.

    Die Frage bleibt:
    Wie lange lässt sich das eine Bevölkerung bieten?
    Ich habe Glück, GdB und brauche Zeit zum Atmen, Laufen und Ausruhen. Was machen Normalsterbliche? Sie atmen schneller und rennen. Ganz einfach.

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