Mein Erfahrungsbericht

Von | April 20, 2021

Von Birgit Weißenborn

Im Dezember 2020 bin ich freiwillig aus dem Schuldienst NRW ausgeschieden zum Schutz meiner Gesundheit. Außerdem kann ich die Durchsetzung der Maßnahmen nicht mit der Fürsorgepflicht vereinbaren. Lebensfreude durch Bewegung ist Beruf und Berufung. 2020 hatte ich eine Vertretungsstelle an einer Grundschule für Schwimmen und Sport. Bis März 2020 war das eine wunderbare Aufgabe. Die Tätigkeiten ab März 2020 waren andere. Ursache sind die Maßnahmen von der Landesregierung NRW mit einer Sperrung von Sporthallen und Schwimmbädern. Improvisierter Sport bei Regen auf dem Schulhof ist ruinös für meine Gesundheit. Kalter Durchzug im Klassenraum ist ungesund für meine Lunge. Die Maske erschwert meine Atmung. Das ist meine persönliche Begründung zum Schutz meiner Gesundheit.

Weitere Gründe sind für mich persönlich die Verletzung der Fürsorgepflicht und des Bildungsauftrages für 8.3 Millionen Schulkinder in Deutschland.

Ich halte die Schulschließung im März 2020 für übereilt und kontraproduktiv. Die Notbetreuung mit Abstand, Materialverbot, Kontaktverbot war schon im Mai 2020 einsam und herzlos. Auf dem Schulhof gesperrte Klettergerüste bremsen die Bewegungsfreude und Körpererfahrung. In der Betreuung kein Mittagessen anzubieten (aus Hygienegründen oder Mangel an Kindern) ist ungesund. Außerdem gehen die Caterer pleite.

Zwischen Osterferien und Sommerferien haben wir 30 Schulmails aus dem NRW Gesundheitsministerium und Schulministerium erhalten (ca. 2 pro Woche). Lange Mails ausformuliert für alle Schulformen. Umsetzung neuer Regeln kurzfristig ab Folgewoche mit neuen Raumplänen und Stundenplänen. Das führt zu Stress und Demotivation bei Schülern, Eltern und Lehrern.

Für die Viertklässler gab es keine Abschiedsfeier mit Eltern und Freunden. Zum neuen Schuljahr ab 12. August wurde es noch trauriger. Die Erstklässler bekamen keine Einschulungsfeier mit Eltern, Großeltern, Geschwistern. Mit Abstand und Maske wurden sie einzeln im Klassenraum platziert. Es gibt keine Schulbuddys, die als Pate die Erstklässler begleiten. Durch Kontaktverbote können insbesondere Erstklässler kaum Freunde finden und Unterstützung bekommen.

Die Folgen des Lockdowns waren schon im August unübersehbar. Die Kinder hatten fünf Monate keinen Unterricht von März bis August. Ob Notbetreuung oder Homeschooling –Bildungsniveau und Sozialverhalten haben gelitten. Verschlimmert wurde das durch geschlossene Sportvereine und Jugendzentren. Die Aggressivität bei Mädchen und Jungen hatte schon im August zugenommen – verbal und körperlich. Ich war mehr mit Streitschlichtung und trösten beschäftigt, als mit Inhalten.

Die neuen Regeln verursachen Stress bei Kindern und Lehrern. Maskenpflicht, Abstand halten, Hände waschen, Materialverbot, Kontaktverbot und mehr. Diese unpädagogischen Verbote durchzusetzen kostet Kraft und Unterrichtszeit. Durch die Maske konnte ich die Kinder schon im Klassenraum kaum verstehen. Draußen fiel die Kommunikation noch schwerer.

Getrennte Pausenzeiten führen zu Isolation der Kinder. Klassenlehrer müssen die Pausen selbst beaufsichtigen und haben keine Pause. Der Austausch im Lehrerzimmer fällt somit aus. Getrennte Hofzonen für Schulklassen oder Betreuungsgruppen führen zu Isolation. Sie bremsen die Bewegungsfreude. Kinder werden von Spielmöglichkeiten (Klettergerüst, Schaukel, Wippe) abgetrennt – sofern sie nicht sowieso für alle gesperrt sind.

Schwimmunterricht fällt seit März 2020 aus. Improvisierter Sportunterricht auf dem Schulhof oder im Park auf Abstand ist schwierig. Mangels Umkleiden können sich die Kinder kaum Sportsachen anziehen. Im November bei Kälte und Regen 90 Minuten auf dem Schulhof verbringen ist ungesund. Mannschaftssport zur Förderung der Sozialkompetenz ist verboten.

Ab August war wöchentliche Lehrerkonferenz mit Maske auf Abstand im Durchzug. Der Austausch in der Lehrerkonferenz wurde unterbunden. Es ging nur noch um die Vorstellung von Itslearning für den Distanzunterricht, die Mitteilung der neuen Regeln ab Folgewoche, neue Raumpläne und Stundenpläne. In 60 Minuten ist das nicht zu schaffen. Dann wurde die Konferenzzeit für den PCR Test verwendet. Gerade mit diesen neuen Aufgaben wäre mehr Austausch notwendig. Insbesondere für neue Lehrer oder Vertretungslehrer wie mich.

Der Lehrermangel wird verstärkt durch die Maßnahmen. Schwangere werden vom Dienst befreit. Lehrer mit Vorerkrankungen werden vom Dienst befreit. Lehrer mit erkrankten Angehörigen werden vom Dienst befreit. Gesunde Lehrer waren in Quarantäne. Ergo mussten Lehrer zwei Klassen parallel betreuen mit Stillarbeit. Das ist das Gegenteil von halben Klassen. Das sind doppelte Klassen mit doppelter Arbeitsbelastung. Mehr Lehrer lassen sich vermehrt krankschreiben aus Überlastung. Die Sozialpädagogen, die eigentlich zweite Kraft sein sollen, werden für Vertretungsunterricht eingesetzt. Zum 1.2.2021 haben neue Referendare und Lehrer ihren Dienst angetreten, aber die Schüler waren zu Hause. So konnten Referendare und neue Lehrer ihre Kollegen und Schüler nur online kennenlernen.

Seit März 2020 wird der Kontakt zwischen Eltern und Lehrern erschwert.. Eltern dürfen den Schulhof nicht mehr betreten. Sie müssen mit Abstand vor dem Schulgelände warten. Reale Elternabende und Elternsprechtage sind verboten. So können Eltern neue Lehrer nicht kennenlernen. So können Eltern von Erstklässlern sich nicht kennenlernen, keine Elternpflegschaft wählen. Der Kontakt zwischen den Eltern wird erschwert. Jegliche Information sollte über Itslearning stattfinden. Aber die meisten Lehrer und Eltern haben keine Einarbeitung in diese Plattform erhalten. Ein lebendiger Schulalltag für Kinder, Lehrer und Eltern sieht anders aus.

Digitalisierung für Distanzlernen ist gerade bei Kindern kontraproduktiv, weil sie dadurch noch mehr Zeit alleine am Computer verbringen. Online Unterricht fördert Internetsucht, Passivität und Vereinsamung. Schon im April 2020 warnte der Deutsche Kinderschutzbund auf seiner Webseite vor den negativen Auswirkungen der Kontaktbeschränkung auf Kinder. Das betrifft 8,3 Millionen Schulkinder in Deutschland.

Meine Schlussfolgerung:

Lehrer haben eine Fürsorgepflicht in ihrem Unterricht. Jeder Lehrer ist für das Wohlergehen seiner Schüler verantwortlich. Ich konnte mit den neuen Regeln und Masken meine Fürsorgepflicht nicht erfüllen. Diese Kindeswohlgefährdung kann ich nicht verantworten. Ich finde die Maßnahmen seit März 2020 menschenunwürdig. Daher hatte ich im Dezember um eine Vertragsaufhebung gebeten und bekommen.

Lösung ist eine sofortige Aufhebung der Maßnahmen. Kinder haben ein Recht auf Bildung, Kontakte, Freunde, Bewegung, Sportunterricht und Schwimmunterricht im Klassenverband.

Das ist meine persönliche Erfahrung und Meinung. Ich darf diese Meinung nicht auf Kollegen, Lehrer, Schulleiter, Eltern übertragen.

 

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Mein Erfahrungsbericht

  1. admin Beitragsautor

    “Kindeswohlgefährung” ist ein gutes Stichwort. Es gibt ja bereits mehrere Urteile von Familiengerichten (AG Weimar, AG Weilheim), die klar erkannt haben, dass diese “AHA”-Maßnahmen in der Schule für das Wohl der Kinder nicht zuträglich sind. Oder genau gesagt: Diese Maßnahmen sind verfassungs- und damit rechtswidrig.

    Denkt man diesen Sachverhalt weiter, sind jene, die diese “Regeln” für Schüler anordnen, Rechtsbrecher.

    Ebenfalls indiskutabel ist diese damit einhergehende perfide Heuchelei. Man setzt sinnlose Slogans wie “Ich schütze Dich und Du schützt mich!” (Neusprech in RLP) in die Welt und lässt es zu, dass eben durch diesen “Schutz” Kinder physisch, psychisch und pädagogisch gefährdet werden.

    Dies lässt zwei mögliche Erklärungen zu:

    a) Die Regierungen, namentlich die Ministerien) wissen nicht, was sie tun, oder
    b) sie handeln mit Vorsatz, aus welchem Grunde auch immer.

    Beides ist erschreckend und ich verstehe Deine Haltung, dies nicht mehr mitzumachen.

    Peter B a i e r

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    1. Elisabeth Wolf

      Sehr guter Kommentar.
      Bei Variante a) schaffen sie es sehr gut andere Meinungen, abweichende Studien und Aussagen zu ignorieren. Seit ich Frau Merkels Rede zur Pressefreiheit im Frühjahr 2020 gehört habe, kann ich mir diese Variante nicht mehr vorstellen.

      Es ist ein Wahnsinn, was gerade passiert und den Kindern, Jugendlichen und auch älteren Menschen in Altenheimen und Kranken in Krankenhäusern und auch allen anderen Menschen angetan wurde und weiterhin wird.

      Elisabeth Wolf

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  2. christine

    „Das ist meine persönliche Erfahrung und Meinung. Ich darf diese Meinung nicht auf Kollegen, Lehrer, Schulleiter, Eltern übertragen.“

    – aber ich darf sie teilen.
    Danke für deine ruhige, deutliche Schilderung.

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  3. Renzo

    Der aufrechte Gang, das ist es, was uns von Schimpansen unterscheidet.
    Da ich einen ähnlichen Schritt schon zu Beginn getan habe, bin ich froh, daß sich auch andere wie du für einen
    geraden Weg entschieden haben.
    Da die meisten den Schaden, der durch die Maulkörbe verursacht wird, nicht anerkennen, werden sie es vielleicht erst dann merken, wenn ihre Kinder mangels Fähigkeit beim Baden ersaufen.
    Aber wahrscheinlich wird dann jede Pfütze eingezäunt. Aus Sicherheitsgründen. Versteht sich.
    Hier noch 1 link, so er denn noch funxt, zu den wunderbaren Selbsttests:
    https://2020news.de/kinderarzt-janzen-unnoetig-gefaehrliche-testmethode/

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