Zum BMI-Strategiepapier, sogar etwas Heiteres

Von | September 18, 2020

Mainz, 18.9.2020 von M. Garcia

Heute habe ich mir erstmals persönlich das Strategiepapier des BMI Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen angeschaut, von dem ich in den vergangenen Monaten immer wieder gehört hatte, vor allem, wenn es darum ging, wie insb. Kindern Angst gemacht werden soll, damit diese und ihre Eltern die Maßnahmen mit tragen, egal wie sehr das Kindeswohl dadurch gefährdet wird. Das Papier umfasst 17 Seiten, war nur für den Dienstgebrauch gedacht und wurde lt. Arne Semsrott „nach
dem 18. März an weitere Ministerien sowie das Bundeskanzleramt verteilt.“  [Quelle]

Die FAZ schreibt dazu:

„Nachdem am 10. März das Papier von sieben Ökonomen über die wirtschaftlichen Implikationen der Krise auf dem Tisch lag, bat Seehofer seinen Staatssekretär Markus Kerber, selbst Ökonom und früher Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ein Strategiepapier zu erarbeiten – und zwar eins, das ein Worst-Case-Szenario ausleuchtet. Kerber stellte eine Gruppe von rund zehn Fachleuten zusammen. Michael Hüther und Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft, außerdem Christoph M. Schmidt und Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Drei Tage arbeiteten die Wissenschaftler rund um die Uhr, am 22. März war das Papier fertig. Das war der Sonntag, an dem die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin die Ausgangsbeschränkungen beschlossen.“ [Quelle]

Hier wurde offensichtlich drei Tage lang rund um die Uhr mit der heißen Nadel gestrickt und nicht berücksichtigt, dass es auch ganz anders kommen kann als in dem modellierten Worst-Case-Szenario vorhergesagt. So sind die in diesem Strategiepapier dargestellten Grafiken Welten von dem entfernt, was tatsächlich zu beobachten war. Unklar ist auch, weshalb partout ein Worst-Case-Szenario angenommen werden sollte, noch dazu ohne dabei eine Kontrolle in sehr kurzen Abständen (max. 2 Tagen) vorzunehmen, um schnellstmöglich eine Kurskorrektur in Richtung Realität vornehmen zu können.

Gleich zu Beginn, im Kapitel 1. Lage und Strategie werden Vermutungen zu haltlosen Tatsachen befördert, ebenso wie dreist behauptet wird:

Die meisten Virologen, Epimediologien, Mediziner, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler beantworten die Frage‚ was passiert, wenn nichts getan wird‘ mit einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahre 2020 – für Deutschland allein. (S. 1)

Da stellen sich mir spontan die Fragen: Wann wurden diese „meisten“ Wissenschaftler um ihre Meinung gebeten? Wer hat alles dazu gehört? Wie kamen sie auf so eine horrend hohe Zahl an Toten? Mit Sätzen wie

Der wesentliche Grund, weshalb die große Gefahr, die durch COVID-19 ausgeht, bis vor kurzem nicht gesehen wurde, ist die Schwierigkeit, exponentielles Wachstum intuitiv zu verstehen. Eine Modellierung soll helfen, die Dynamik von COVID-19 zu verstehen. (S. 3)

werden Wörter bzw. Begriffe in den Raum geworfen, die mir zeigen, da sind mal wieder „Blender vor dem Herrn“ unterwegs. Es geht m.E. weniger darum, dass es schwierig ist, zu verstehen, was ein exponentielles Wachstum sein soll, als vielmehr darum, dass es schwer ist zu verstehen, was überhaupt daran intuitiv verstanden werden soll. Egal wie, eine Modellierung soll helfen.

Das soll vermutlich wissenschaftlich klingen, wird doch auf wissenschaftlicher Basis gerne mit Modellen gearbeitet. Leider sind diese i.d.R. so weit von der Realität entfernt. Es ist wie zu versuchen, anhand eines Sandkorns die Erde in ihrer ganzen Vielfalt aufzuzeigen. Nur wenige Parameter werden herangezogen und dann heißt es auch noch ständig „ceteris paribus“, will heißen, unter sonst gleichen Bedingungen. Aber wann sind in der wirklichen Welt die Bedingungen schon gleich, wenn erst einmal eine Veränderung eingetreten ist? Nehmen wir einmal einen Fall aus dem Gesundheitswesen:

Angenommen, es stünden an Tag 1 in einem Krankenhaus 10 von 80 Betten frei und es kämen an diesem Tag 5 neue Patienten hinzu, dann wären nur noch 5 frei. Würden an Tag 2 insg. 8 neue Patienten eingeliefert, wäre das Krankenhaus – ceteris paribus – überbelegt oder müsste 3 Patienten an andere Krankenhäuser verweisen. In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass es täglich auch zur Entlassung genesener Patienten oder auch zu Todesfällen kommt, wodurch Kapazitäten frei werden. Es kann also durchaus sein, dass die Zahl der belegten Betten am Ende von Tag 2 niedriger ist als zu Beginn von Tag 1.

Wenn bei der Modellierung etwas so Wichtiges vergessen wird, und das kann Professoren, die ihren Tag im Labor vor einem Computer verbringen und die von der wirklichen Welt wenig bis keine Ahnung haben, schon einmal passieren, dann taugt das ganze Modell nichts.

Herr Drosten, der einzige von der Bundesregierung hinzugezogene Virologe, schilderte in einem seiner ndr-Podcasts (ich meine es war der 16.) selbst eindrücklich, wie wenig Ahnung er selbst sogar hatte von den Modellierungen, die er für seine Entscheidungsfindung hinzugezogen hat. Obwohl er diese seines Kollegen aus England zwar noch nicht ganz gelesen und auch nicht richtig erfasst habe, lobte er sie als das Beste aus, das es gäbe. Vermutlich mangelte es an einer Alternative bzw. andere Professoren wurden ignoriert, z. B. Prof. John Ioannidis (Standford University).

Es werden im Laufe des Strategiepapiers 4 mögliche Szenarien vorgestellt:

  1. „Schnelle Kontrolle“, eine Situation, die wir problemlos so gehabt haben könnten
  2. „Rückkehr der Krise“, d. h. es wird eine zweite Welle geben
  3. „langes Leiden“, ein schnelles Eindämmen gelingt zwar nicht, aber die Krise ist zu bewältigen
  4. „Abgrund“ => Die Eindämmung der Epidemie gelingt nicht.

Die „Wissenschaftler“ kommen u.a. zu folgender Bewertung:

„Die Abschätzungen zeigen bei allen Unsicherheiten, dass unter allen Umständen auf Szenario 1 („Schnelle Kontrolle“) hingearbeitet werden muss. Szenario 4 („Abgrund“) wäre eine unvorstellbare wirtschaftliche Katastrophe, die gesellschaftlich zu kaum vorstellbaren Konsequenzen führen würde.“ (S. 11)

Szenario 1 hätten wir haben können, die Regierung versucht durch inflationäres Testen aber das zweite heraufzubeschwören, auch wenn es lediglich eine Laborpandemie ist. Letztlich wird auch das 4. Szenario angestrebt, indem die Maßnahmen und auch der rechtliche Zustand der epidemischen Lage von nationaler Trag weite nicht per Gesetz aufgehoben wird, obwohl es ihn de facto nicht mehr gibt, so es ihn überhaupt jemals gegeben hat, denn die Sterbestatistik weist gegenüber anderen Jahren keinerlei Übersterblichkeit auf. Die künstliche Aufrechterhaltung des unrechtmäßigen Zustands soll mind. dauern, bis ein Impfstoff verfügbar ist, der nicht mehr gebraucht wird. Alles, damit die katastrophalen Fehlentscheidungen der Regierung nicht aufgedeckt und Machtstrukturen dauerhaft etabliert werden können, die mit einer Demokratie nichts mehr gemein haben.

Das Papier sei zunächst als Verschlusssache eingestuft worden berichtet Semsrott und wäre es auch lieber geblieben, das hätte dem Ministerium im Nachhinein so manche Empörung und auch Peinlichkeit erspart. Empörung über die Art und Weise, wie bei der Bevölkerung und insb. bei Kindern Urängste heraufbeschworen werden sollen, um die Maßnahmen durchsetzen zu können.  Das hat bislang bei sehr vielen Menschenauch gut geklappt, herzlichen Glückwunsch an die Autoren des Strategiepapiers. Deren moralische Gesinnung, die an folgendem Satz deutlich hervortritt, lässt das warme Herz jedoch gefrieren:

„Wir müssen wegkommen von einer Kommunikation, die auf die Fallsterblichkeitsrate zentriert ist. Bei einer prozentual unerheblich klingenden Fallsterblichkeitsrate, die vor allem die Älteren betrifft, denken sich viele dann unbewusst und uneingestanden: «Naja, so werden wir die Alten los, die unsere Wirtschaft nach unten ziehen, wir sind sowieso schon zu viele auf der Erde, und mit ein bisschen Glück erbe ich so schon ein bisschen früher». Diese Mechanismen haben in der Vergangenheit sicher zur Verharmlosung der Epidemie beigetragen.“

Was hier dem Bürger an Gedankengängen unterstellt wird, ist einfach ohne Worte, bzw. zeigt, wie sehr es den Autoren an Reife, Empathiefähigkeit und sozialem Bewusstsein fehlt. Dies zeigt sich auch in der Angststrategie, die sie vorschlagen, damit Kinder und Erwachsene, die verordneten Maßnahmen widerstandslos einhalten.

Doch komme ich nun zu dem Teil des Papiers, der mich seit Tagen zum ersten Mal hat laut schallend lachen lassen. Tatsächlich gibt es eine solche Textstelle, und zwar steht hier:

„Ausserdem sollte auch historisch argumentiert werden, nach der mathematischen Formel: 2019 = 1919 + 1929“ (S. 13)

Wie kann es sein, dass diese „Wissenschaftler“ nicht einmal die Mathematik der 4. Klasse beherrschen? Seit wann ist 2019 die Summe von 1919 und 1929??? Und seit wann beschreiben wir die Geschichte (!) mit Hilfe der Mathematik? Möglicherweise liegt hier meinerseits eine Bildungslücke vor.

Da hilft auch der Folgeabsatz nicht weiter, der da lautet:

„Man braucht sich nur die oben dargestellten Zahlen zu veranschaulichen bezüglich der anzunehmenden Sterblichkeitsrate (mehr als 1% bei optimaler Gesundheitsversorgung, also weit über 3% durch Überbelastung bei Durchseuchung), im Vergleich zu 2% bei der Spanischen Grippe, und bezüglich der zu erwartenden Wirtschaftskrise bei Scheitern der Eindämmung, dann wird diese Formel jedem einleuchten.“ (S. 13)

Weder die Formel wird hierdurch jedem einleuchten, noch macht dieser Satz irgendeinen Sinn, egal wie ich ihn drehe und wende. Er ist einfach nur Quatsch und gehört in mein Büchlein, in das ich früher unsinnige Schüleraussagen notiert habe, die mich amüsierten.

Angesichts der unzähligen Fehler, die dieses Papier enthält, stellt sich mir wieder einmal die Frage: Was ist ein Wissenschaftstitel/Studium in Deutschland heutzutage noch wert? Mir sind Menschen lieber, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, ihren menschlichen Verstand zu nutzen wissen und liebevoll und großzügig im Umgang mit anderen sind. Aufgeblasene Titelträger, die ihre Unwissen- und Unfähigkeit hinter Worthülsen verbergen, brauche ich in meinem Leben nicht.

Meine abschließende Beurteilung dieses Strategiepapiers: Note 6 (ungenügend), weil unreif, an Empathie mangelnd, mit nur einer sehr reduzierten Sichtweise, einigen Rechtschreibfehler, fehlenden mathematischen Kenntnissen und schließlich auch Täuschungsversuch.


Anmerkung des Herausgebers: Vielen Dank an die Kollegin für diesen hervorragenden Artikel, dessen Inhalt mich weniger erheitert aber dafür umso mehr erschreckt hat. Zeigt das Referat doch zuerst einmal auf, für wie dumm und unwissend die Regierenden das Staatsvolk mittlerweile zu halten scheinen.

Man legt also auf der Basis einer hochgradig dünnen Datenlage (z. B. der Fallsterblichkeit), die dann auch noch nachgerade böswillig verzerrt dargestellt wird, ein ganzes Land still, verbreitet Angst und Panik um dann mit vollkommen unzulänglichen Mittel die selbst erzeugte “Krise” publikumswirksam “in den Griff” bekommen zu wollen. Wobei die Staatsmedien begeistert mit schöner Regelmäßigkeit Applaus zur Regierungspolitik beisteuern.

Und wenn die nackten Zahlen, das Horrorszenrario nicht mehr hergeben, holt man sich eben andere Zahlen herbei. Von “Flatten the curve!” (i. e. dQ/dt => 0) über den “Wachstumsfaktor” bis hin zu “Wenn die Zahl der Neuinfizierten größer als x pro 100.000 ist, müssen wir wieder die Zügel anziehen“. Wobei x in einem beliebigen Intervall liegen darf, auf Exaktheit kommt es nicht an. Wenn wir die “50” nicht packen setzen wir x eben auf 25. Egal. Willkür und Unbestimmtheit als Maxime staatlichen Handelns.

Dabei reicht es dann geistig bzw. mathematisch nicht einmal für den Stoff der 9. Klasse. Denn es gab, wenn überhaupt, nie ein exponenzielles Wachstum (x hoch n), weil das Zeitintervall, in welchem n>>1 war, nur wenige Tage Ende März, Anfang April 2020 bestand. Der Wachstumsfaktor n befand sich spätestens hier wieder meistens im Bereich von 1 und fiel dann sehr schnell unter den Wert eines linearen Exponenten, nämlich ab dem Zeitpunkt Mitte April, als die Zahl der akuten Fälle bereits wieder zu fallen begann. Wobei man uns medial wirksam natürlich  nie die Zahl der akuten Fälle präsentierte sondern immer nur die akkumulierte Anzahl der “Covid-Patienten”.

Fazit: Was wir erleben und was wir an Strategien was Regierungshandeln betrifft erkennen dürfen, zeigt, dass das, was man als “Idiotokratie” zu benennen pflegt, immer mehr um sich geift. Die “Idiotokratie” ist dabei eine Staatsform, welche die ehemals auf Aufklärung und Fakten  basierende moderne Gesellschaft verdrängt. Menschen, denen es oftmals am intellektuellen Vermögen mangelt, einfachste Sachverhalte korrekt kognitiv zu erfassen und entsprechend zu handeln, treffen Entscheidungen, die Millionen von Menschen in ernste Probleme bringen. Wobei man sich immer fragt: Wer bringt diese Phrasendrescher und Heißluftpumpen eigentlich in ihre jeweiligen Positionen? Die Antwort kann zumindest diesmal “intuitiv” erfolgen: Das große Mundwerk. Denn das ist die Quintessenz: Je lauter jemand auftritt, desto eher kommt er in der Politik nach oben. Um sich dort, bestens bezahlt, im Sinne der oben erwähnten “Idiotokratie”, die er fortan repräsentieren darf, nach Herzenslust auszutoben.

Peter Baier

2 Gedanken zu „Zum BMI-Strategiepapier, sogar etwas Heiteres

  1. Pingback: Zum BMI-Strategiepapier, sogar etwas Heiteres – Lehrer für Aufklärung – Kon/Spira[l]

  2. Anymonus

    Ich empfehle zu diesem Thema dringend folgendes Interview von Markus Langemann mit Dr. Reiner Fuellmich anzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=DMQ3UyRf3Fk

    Die Aufklärung insgesamt wird sicher Jahre dauern, auch da versucht werden wird, sie massiv zu be- oder verhindern. Was aber schon jetzt klar ist und soweit gediehen, dass in absehbarer Zeit, d.h. etwa 4-6 Wochen, in den USA eine Class Action (Sammeklage) angestrengt wird. Der Anfangsverdacht und die Beweislage lassen das zu. Um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, werden vllt. auch Dokumente wie das von Stephan Kohn aus dem BMI bei Gericht landen. Laut Dr. Fuellmich steht Herr Kohn mit dem Corona-Ausschuss in Kontakt. Und dann sind da noch die Rechercheergebnisse von Peter Haisenko. Covid-19 ist keine Lobbynummer, wie sie Dr. Fuellmich derzeit noch betitelt. Covid-19 ist eine geopolitische Hausnummer höherer Ordnung. Und auch das lässt sich belegen.

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